DIO misst, wie lange Ware durchschnittlich im Lager liegt, DSO beschreibt, wann Geld von Kunden eingeht, DPO zeigt, wie lange du dir Zeit mit dem Bezahlen lässt. Der Cash Conversion Cycle ergibt sich aus DIO plus DSO minus DPO. Als Solo‑Händler mit Vorkasse‑Shop hast du oft DSO nahe null, was genial ist. Dann wird DIO zur großen Stellschraube, während DPO über verhandelte Zahlungsziele deinen Puffer definiert. Kenne die drei Werte und priorisiere die zwei mit größter Hebelwirkung.
Nehmen wir an, du hältst 60 Tage Lager, kassierst sofort (DSO 0) und zahlst Lieferanten nach 15 Tagen. Dein Cash Conversion Cycle liegt bei 45 Tagen. Senkst du Lager auf 40 Tage und handelst 30 Tage Zahlungsziel, schrumpft er auf 10 Tage. Das sind 35 Tage schneller verfügbare Mittel je Drehung. Bei 50.000 Euro monatlichem Wareneinsatz entspricht das einem fünfstelligen Liquiditätssprung, ohne neues Kapital. Kleine taktische Änderungen summieren sich, besonders wenn deine SKU‑Rotation über mehrere Zyklen läuft.
Starte schlank: Ein Google‑Sheet mit monatlichem Wareneinsatz, durchschnittlichem Lagerwert, Tagen bis Lieferantenzahlung und Tagen bis Zahlungseingang reicht. Visualisiere DIO, DSO, DPO sowie den resultierenden Cash Conversion Cycle als einfache Linien. Markiere Aktionen wie neue Zahlungsziele, Preisänderungen oder eine aggressive Abverkaufskampagne. Ergänze eine Notizspalte mit Hindernissen und Lerneffekten. Bitte Leserinnen und Leser, ihre Kennzahlen anonym zu teilen, damit wir Benchmarks entwickeln und voneinander lernen – messbar, motivierend, machbar.
Ordne Artikel nach Umsatzanteil (ABC) und Vorhersagbarkeit (XYZ). A‑X‑Produkte verdienen straffe Bestellintervalle, enges Monitoring und vielleicht bessere Konditionen. C‑Z‑Produkte brauchen Vorsicht: kleine Lose, längere Prüfintervalle, im Zweifel Auslistung. Kennzeichne jede SKU farblich, damit Entscheidungen schnell fallen. Einmal pro Quartal aktualisieren reicht. Erzähle dir die Geschichte hinter jeder Kategorie: Warum ist ein A‑Y‑Artikel so volatil, und wie schützt du dich? Teile deine Matrix in der Community und hole dir konkretes Feedback zu Grenzfällen.
Lege Sicherheitsbestände nicht nach Angst, sondern nach Serviceziel und Lieferzeit‑Variabilität fest. Nutze einfache Formeln mit durchschnittlichem Tagesabsatz und Schwankung, multipliziert mit realen Beschaffungsdauern. Prüfe wöchentlich Ausreißer: Wurde ein Influencer‑Post viral, oder hat der Spediteur vertrödelt? Passe den Puffer temporär an, statt dauerhaft aufzublähen. Dokumentiere Annahmen in einer kurzen Notiz je SKU. So bleibt dein Bestand schlank und zuverlässig zugleich, und deine Kasse dankt es dir mit spürbar mehr Bewegungsfreiheit.
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